Vollwertig essen
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Autor:
Leo Frühschütz

Wer sich von Obst und Gemüse, Nüssen, Brot, Nudeln und Reis ernährt, lebt länger. Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid lobt die Vorteile des Vegetarismus.

Bis zu 8 Prozent der Deutschen erklären sich in Umfragen zu Vegetariern – und leben länger. Ernährungsexperte Dr. Thomas Kurscheid erklärt, warum das so ist: „Vegetarier leben tatsächlich länger und gesünder. Allerdings nicht, weil sie auf Fleisch verzichten, sondern weil sie mehr Wert auf einen gesunden Lebensstil legen als der Durchschnittsdeutsche.“

 

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums begleiteten von 1978 bis 1999 rund 1900 Menschen. 2/3 von ihnen verzichteten ganz auf Fleisch, 1/3 aß gelegentlich Fleisch. Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung starben in den 21 Jahren weitaus weniger Studienteilnehmer als erwartet. Der Effekt zeigte sich bei beiden Gruppen gleich stark. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass nicht der Fleischverzicht lebensverlängernd wirkte, sondern der insgesamt sehr gesundheitsbewusste Lebensstil beider Gruppen.

Experte:
Dr. Thomas Kurscheid

Tierschutz: Wichtigstes Motiv für Fleischverzicht

Für knapp 2/3 der Vegetarier stehen das Leid und der Tod der Tiere im Vordergrund. Das ergab eine Online-Umfrage der Universität Jena. Etwa 20 Prozent gaben an, kein Fleisch zu essen, weil sie gesünder leben wollen. 11 Prozent mochten einfach den Geschmack von Fleisch nicht.

 

Interessant: Nach den Ergebnissen der Universität Jena und anderer Umfragen ist der typische Vegetarier weiblich, jung, überdurchschnittlich gut gebildet und in der Großstadt zu Hause. In der Nationalen Verzehrsstudie von 2008 gaben 1,6 Prozent der Teilnehmer an, Vegetarier zu sein. In Meinungsumfragen sind es deutlich mehr. Der Deutsche Vegetarierbund geht für 2010 von 6 Millionen Vegetariern aus, hinzu kämen noch 600.000 Veganer. Die unterschiedlichen Zahlen ergeben sich, weil es schwer ist, vegetarische Ernährung zu definieren.

 

Es gibt verschiedene Vegetarier-Typen:

 

  • Moderate Vegetarier: Sie leben fast immer vegetarisch, genehmigen sich aber Ausnahmen.
  • Pescetarier: So heißen Menschen, die kein Fleisch von Warmblütern essen, aber Fisch.
  • Ovo-Lacto-Vegetarier: Das ist die gängigste Variante: Weder Fisch noch Fleisch, aber Milch und Eier sind erlaubt.
  • Lacto-Vegetarier: Sie essen auch keine Eier, aber Milchprodukte.
  • Ovo-Vegetarier: Sie essen keine Milchprodukte, aber Eier.
  • Veganer: Sie essen überhaupt keine tierischen Lebensmittel. Neben Milch, Käse und Eiern fällt bei ihnen auch der Honig weg.

„Totes Tier“ steckt in vielen Lebensmitteln

Ernsthafte Vegetarier lassen nicht nur Schnitzel und Salami links liegen. Sie vermeiden auch Lebensmittel mit Zutaten, die von toten Tieren stammen, wie zum Beispiel:

  • Gelatine in Marmelade oder in Gummibärchen wird meistens aus Schweineschwarten hergestellt. Alternativen sind pflanzliche Geliermittel wie Pektin und Agar-Agar.
  • Lab lässt Milch zu Käse gerinnen. Es stammt aus dem Magen geschlachteter Kälber – kann aber auch mit Hilfe von Mikroorganismen produziert werden.
  • Tierische Fette finden sich bei manchen Fertiggerichten in der Zutatenliste.
  • Zusatzstoffe und Aromen können ebenfalls aus tierischen Rohstoffen hergestellt sein.

Vegetarisch ernähren: Es gibt genug von allem

 

„Lacto-Vegetarier müssen keine Angst haben, dass ihnen – im Vergleich zu Fleischessern – wichtige Nährstoffe abgehen“, sagt Dr. Thomas Kurscheid. „Vorausgesetzt, sie ernähren sich ausgewogen und vielseitig.“ Die tierischen Eiweiße im Fleisch lassen sich durch Pflanzenproteine in Rezepten mit Getreide und Hülsenfrüchten ersetzen. Pflanzliches Eisen nimmt der Körper gut auf, wenn Sie es mit Vitamin C und Fruchtsäuren kombinieren: Haferflocken-Müsli mit Orangensaft zum Beispiel, oder Paprika-Aufstrich auf Vollkornbrot.

 

Tipp: Eine besonders hochwertige Eiweißversorgung liefern traditionelle Gerichte verschiedener Weltregionen: Mais mit Bohnen aus Südamerika, Kichererbsenbällchen (Falafel) mit Fladenbrot aus dem Nahen Osten oder Reis und Linsen aus Indien.

 

Fazit: Der Vegetarismus ist eine gesunde Ernährungsform. Bei einer vielseitigen Lebensmittelauswahl müssen Sie keine Mangelversorgung befürchten. Für Kinder und Jugendliche im Wachstum empfiehlt es sich, regelmäßig Milchprodukte zu essen.

 

Lektorat: Kathrin Gritschneder

 

Quellen / Links:
1. C. Schinharl: Crashkurs Vegetarisch. Superschneller Erfolg für Einsteiger, Gräfe und Unzer, 2010
2. C. Leitzmann, M. Keller: Vegetarische Ernährung. UTB, 2010
3. C. Leitzmann: Vegetarismus. Grundlagen, Vorteile, Risiken. C.H. Beck, 2009
4. Vegetarierbund Deutschland
5. Vegetarierforum
6. Foto: Corbis

 

erstellt am 1.3.2012

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